Tarifvertrag verdi touristik

Kritiker warfen Verdi zudem vor, sich für Arbeitnehmerrechte und faire Löhne in der Öffentlichkeit stark zu halten, diese Ziele aber intern nicht erreichen zu wollen. Ein Beispiel war die Kantine am Verdi-Hauptsitz in Berlin, die vom internationalen Catering-Unternehmen Sodexo betrieben wurde. Wie in der Branche typisch, schließt Sodexo keine Industrietarifverträge ab, sondern setzt Tarifverträge auf Unternehmensebene ein. [80] Nach Informationen der Neuen Ruhr Zeitung lagen die Löhne der Beschäftigten der Mitverdi eng mit Verdi verbundenen Arbeitnehmerakademie (DAA) unter dem Satz, den Verdi mit Konkurrenten wie der AWO oder der Diakonie ausgehandelt hatte. [81] Auch die Aktionen von Verdi während der Streiks stehen immer wieder in der Kritik, wobei in einigen Berichten behauptet wird, dass die Beschäftigten in Einzelfällen zum Streik gezwungen wurden, was die Gewerkschaft bestritt. [82] Kritiker bezeichnen auch mehrere von Verdi organisierte Streiks als unverhältnismäßig. [83] [84] Die gegenwärtige Verhandlungskrise und die daraus resultierende geringe Zahl von Vereinbarungen lassen es nicht zu, signifikante Zeitliche Muster zu erkennen, wie dies vor der Krise möglich war. Ausnahmen im engeren Sinne waren bis vor kurzem nicht möglich, aber dies änderte sich im August 2014. Mit der siebten Revision des Arbeitsgesetzbuches wurde die Möglichkeit eingeführt, Tarifverträge im Falle einer schweren Krise vorübergehend auszusetzen, die ”die normale Tätigkeit des Unternehmens schwerwiegend beeinflusst”. Die Aussetzung ist nur möglich, wenn die jeweilige Arbeitgeberorganisation(n) und die Gewerkschaften eine schriftliche Vereinbarung zu diesem Zweck unterzeichnen. Das portugiesische Arbeitsgesetzbuch (Gesetz 7/2009 vom 12. Februar) legt in seinen Artikeln 214 und 232 das Recht des Arbeitnehmers auf eine tägliche Ruhezeit von mindestens elf aufeinanderfolgenden Stunden zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zeiten der täglichen Arbeit fest; und das Recht auf mindestens einen Ruhetag pro Woche. Eine komplementäre wöchentliche Ruhezeit, kontinuierlich oder diskontinuierlich, in allen oder in einigen Wochen des Jahres, kann durch Tarifvertrag oder durch Arbeitsvertrag auferlegt werden.

Diese Vorschriften wurden 2017 aus einer Reihe von Gründen zurückgezogen: die negativen Auswirkungen der Tarifverhandlungen, durch die Verringerung der Zahl der Verlängerungen und der Zahl der aktualisierten Tarifverträge und ihrer Deckung; die Schwäche der Arbeitgeberverbände, wie aus dem Grünbuch über die Arbeitsbeziehungen 2016 hervorgeht, in dem 2014 nur 19 % der Unternehmen in Portugal behaupteten, Arbeitgeberverbänden angeschlossen zu sein; und die Tatsache, dass sowohl Arbeitgeberverbände als auch Gewerkschaftsverbände sich gegen oder zurückhaltend gegenüber Kriterien der Verlängerung auf der Grundlage der Repräsentativität/Vertretung aussprachen.